Oder: Wie man eine Prüfung zwischen Urlaub und Schlafmangel unterbringt.
Text: Marc Teckentrup
Die Geschichte meiner praktischen LAPLA-Prüfung begann mit einem Schreiben des Regierungspräsidiums. Darin wurde ich aufgefordert, mich mit meinem Prüfer Oliver Bucher in Verbindung zu setzen, um einen Termin zu vereinbaren. Zu diesem Zeitpunkt lag ich allerdings entspannt auf Rhodos und ging davon aus, dass wir bestimmt einen Termin in zwei oder drei Wochen finden würden. Genug Zeit also, um nach dem Urlaub noch ein paar Übungsflüge zu machen und mich vernünftig vorzubereiten.
Die Realität sah etwas anders aus.
Als ich Oli am Mittwoch anrief, stellte sich schnell heraus, dass die Prüfung bereits am Freitag stattfinden sollte. Das bedeutete: Rückflug am Donnerstagabend, Landung gegen 20 Uhr – und keine Zeit für große Vorbereitung. Also ging es nach der Heimkehr direkt an die Unterlagen. Rund vier Stunden Prüfungsvorbereitung später war es dann auch schon fast Zeit fürs Bett. Entsprechend kurz fiel die Nacht aus. Die notwendige Betriebsflüssigkeit am nächsten Morgen bestand hauptsächlich aus Kaffee.
Vor der eigentlichen Prüfung traf ich mich noch mit Harry. Nach 16 Tagen ohne Flug wollte ich nicht direkt in die Prüfung stolpern. Also drehten wir noch eine kleine Runde, um das Fluggefühl wieder aufzufrischen. Danach bin ich kurz nach Hause gefahren, um etwas Kraft zu tanken, bevor es ernst wurde.
Wieder zurück am Flugplatz wurde der Flieger gecheckt, getankt und vorbereitet. Dann kam Oli.
Der Prüfungsbeginn verlief… sagen wir mal ausbaufähig.
Direkt am Flugzeug kamen Fragen zu den drei Antennen. Warum eine kurz und die anderen lang sind? Keine Ahnung. Wofür sie genau zuständig sind? Mehr geraten als gewusst. Ein echter Traumstart also. Immerhin wusste ich danach ziemlich genau, welche Themen ich mir bei Gelegenheit noch einmal anschauen sollte.
Anschließend gingen wir die Flugvorbereitung durch. Unterstützt wurden wir dabei von einem Gast am Nebentisch, der zwar nicht offiziell zur Prüfung gehörte, dafür aber sehr engagiert sein Bier konsumierte.
Danach ging es zurück zum Flugzeug. Noch schnell die ATIS von Stuttgart abgehört, dann rollten wir zur Piste 27. Kurs Richtung Schwäbisch Hall eingestellt, Steigflug auf 4.500 Fuß und los ging’s.
Kurz nach dem ersten Wegpunkt – dem Kreuzen der B29 westlich von Heubach – meldete ich mich bereits in Hall an und erklärte unser Vorhaben. Alles lief sauber. An der Kochertalbrücke gingen wir dann auf Kurs Richtung Aalen.
Zwischen Hall und Aalen stand Airwork auf dem Programm: Steilkurven, Stallübungen und alles, was dazugehört. Besonders beim Approach Stall sollte man besser nicht zu früh nachlassen – das sieht Oli offenbar nicht so gerne. Je nachdem, wen man fragt, gibt es dazu unterschiedliche Philosophien. In meinem Fall kostete mich das Ganze etwa 50 Fuß Höhe, ansonsten lief der Teil aber erfreulich problemlos.
In Aalen wurde es dann deutlich lebhafter. Wir kamen aus Norden in die Platzrunde, allerdings hatten offenbar noch mindestens fünf weitere Piloten dieselbe Idee. Mehrere Flugzeuge befanden sich bereits im rechten Gegenanflug zur 27 oder flogen zeitgleich ein. Besonders spannend wurde es, als plötzlich ein Tragschrauber über uns auftauchte.
Um etwas Ordnung in die Situation zu bringen, drehten wir einen Vollkreis nach links und verschafften uns etwas Platz. Danach liefen die Platzrunden unspektakulär. Eine Landung mit Klappenstufe 2, eine ohne Klappen – beide sauber und problemlos.
Nach kurzer Verabschiedung dachte ich, es würde nun Richtung Donzdorf gehen.
Dachte ich.
Als kleine Navigationsaufgabe sollte ich zunächst nach Schwäbisch Gmünd fliegen. Kurz vor Heubach lotste mich Oli dann Richtung Schechingen. Irgendwie hatte ich da schon so ein Gefühl.
Zu Recht. Wenig später zog er das Gas raus. Motorausfall.
Während mein Puls kurzzeitig die Reiseflughöhe verlassen wollte, durfte ich mir ein geeignetes Feld für die Notlandung aussuchen. Zum Glück hatte ich mir die Windrichtung gemerkt – Wind aus Westen. Also passendes Feld ausgewählt, Anflug geplant und alles vorbereitet. Gefühlt 300 Fuß über dem Boden hatte Oli dann genug gesehen und erlaubte mir großzügigerweise, den Motor wieder zum Leben zu erwecken.
Nun also weiter Richtung Donzdorf.
Dort flogen wir zum Abschluss noch zwei weitere Platzrunden. Irgendwie schien die Uhr an diesem Tag besonders langsam zu laufen. Um die notwendige Prüfungszeit vollzubekommen, drehten wir sogar noch eine kleine Extrarunde außerhalb der Platzrunde.
Irgendwann war es dann endlich geschafft. Abschlusslandung, ausrollen, fertig.
Rückblickend lief die Prüfung – abgesehen von ein paar kleineren Schnitzern und meinem eher schwachen Antennenwissen – wirklich ordentlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass zwischen Strandurlaub und Prüfungsflug gerade einmal wenige Stunden lagen.
Am Ende bin ich einfach froh, dass das Thema erledigt ist.
Ein ganz besonderer Dank geht an Harry für seine Geduld, seine Ausdauer und die vielen gemeinsamen Flüge. Ebenso vielen Dank an Michael, Paddy, Benni und Steffen für die Unterstützung, Organisation und Tipps.
Jetzt heißt es erst einmal warten, bis der Schein im Briefkasten liegt. Danach geht es direkt weiter mit der Einweisung auf die NZ und dem UL-Schein.
Langweilig wird’s also nicht.


