Für den Jahresendartikel hatte ich die Mitglieder aufgerufen, mir ein paar (!) Zeilen zum fliegerischen Highlight des Jahres zu schreiben. Jörg hat viele Zeilen geliefert. Im Artikel gab es dafür keinen Platz, dafür gibt’s jetzt einen separaten. Und ein Bonus-Video unten. Enjoy 🙂
Fliegen in den Bergen — davor sollte jeder Pilot Respekt haben und es ohne eine fundierte Alpeneinweisung am besten auch nicht alleine machen.
Dann gibt es da noch verschiedene Kategorien: Über die Berge in großer Höhe oder zu relativ leicht anzufliegenden Plätzen wie Zell am See oder St. Johann — das ist bei gutem Wetter ok und klar, das hat man dann doch auch schonmal gemacht, wenns auch schon länger her ist. Aber in „Segelfliegermanier“ mitten durch die Berge, den Täfern entlang der Felshänge folgen und über die Pässe — das war etwas vor dem ich immer großen Respekt hatte, auch nach inzwischen 27 Jahren Motorfliegerei.
Schogglad sah das naturgemäß anders: mit der Super Cub muss man das unbedingt machen, der Flieger ist dazu geradezu prädestiniert. Da hat er natürlich recht. Als „alter“ Segelflieger mit über 4500 Flugstunden und etlichen davon in den Bergen bot er an, mich auf dem hinteren Sitz zu begleiten und mir die Schönheit der Alpenfliegerei nahezubringen. Nachdem er lange genug in die Kerbe gehauen hatte, stimmte ich zu.
Am Freitag, dem 02. Mai 2025 waren dann die Bedingungen optimal. Bestes Frühlingswetter, morgens noch wenig Thermik, wenig Wind und nur wenig hohe Cumulus-Bewölkung waren für den Alpenraum vorhergesagt. Also, zeitig auf den Flugplatz, die Route planen (natürlich mit digitalen Hilfsmitteln), den Flieger aushallen, tanken, checken und los gehts.
Der Flug in Richtung Berge war denn auch ereignislos: einfach die — dank der gemächlichen Reisegeschwindigkeit der Super Cup von nur ca. 160 Km/h — unten langsam vorbeiziehende Landschaft der Alb, des Illertals und des Allgäus genießen, dabei allmählich auf die geplante Flughöhe zum Einflug in die Alpen steigen. Aber die Berge kommen unweigerlich näher — und so langsam steigt zugegebenermaßen meine Nervosität. Was erwartet mich da zwischen den schroffen und teilweise noch schneebedeckten Felsen? Wie ist der Wind in den Bergen? Wie viele Segelflieger und Gleitschirme sind unterwegs und sehen die uns mit unserer Camouflage-Lackierung rechtzeitig?
Einflug über Füssen in Richtung Reutte/Tirol, links abbiegen in Richtung Ehrwald — „näher ran an die Berge, nimm das Steigen mit“ tönt es von hinten – Puuh, es kostet gehörig Überwindung und Schogglad ist es noch nicht nah genug – aber wir lassen es trotzdem gut sein, ich will ja nicht auf dem Grat landen …
Weiter gehts nach Südwesten in Richtung Imst. Es ist noch Vormittag, die Sonne bescheint die Hänge rechts auf unserer Route und da „trägt“ es tatsächlich, besonders an den dunklen Stellen. Ohne die Leistung zu verändern, steigen wir bis auf 9500 Fuß. Die Piper steigt in der leichten Thermik wie ein Segler. Inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt, dass ich links, rechts und vor mir nur Berge sehe und kann die Eindrucke auch immer mehr genießen. Wunderschön!
Schogglad kennt sich ja aus und weiß, wo wir abbiegen müssen – und auf dem Tablet haben wir natürlich die Route genau vorgeplant. Der nächste Wegpunkt ist Landeck und dann gehts via St. Anton über den Flexenpass nach Norden – wir wollen noch eine Zwischenstopp in Kempten machen.
Am Alpsee bei Immenstaad biegen wir rechts ab und sinken in Richtung Kempten-Durach. Anflug und Landung sind problemlos, der höchstgelegene Verkehrslandeplatz empfängt uns in schönstem Sonnenschein und wir bestellen Kaffee und Kuchen und genießen den restlichen Morgen auf der Terrasse. Der Heimflug nach Donzdorf ist dann wieder Routine und wir lassen den Tag auf der heimischen Terrasse an der Fliegerhütte ausklingen.
Schöner kann ein Urlaubstag kaum sein, danke an Schogglad für das „in die Kerbe hauen“ und die kompetente Begleitung.